Schamanismus ist durchtränkt mit einer Vorstellung der Dualität. Das ist ein bisschen ein Kontrast zu späteren entwickelten philosophischen Strömungen der Nondualität im Osten oder des Monotheismus im Westen.
Heute werde ich philosophisch den Schamanismus diesbezüglich untersuchen und Analogien und Vergleiche schlagen und auch erklären, warum Dualität schon auch „gut“ ist. Viel Spaß.

Der Schamane als Grenzgänger
Im Schamanismus gibt es die Vorstellung, dass er ein Grenzgänger ist. Er sitzt quasi auf der Grenze zwischen den Welten und dient dort als Kommunikator oder Vermittler bspw. zwischen Menschen & Spirits.
Diese Sichtweise findet man überall auf der Welt und zeigt eben auf, dass die wahrnehmbare menschliche Welt nicht die einzige ist. Der Schamane hat Zugriff auf Welten, die anderen Menschen bewusst oft verschlossen ist. Das zeichnet ihn als Schamane auch primär aus – auch vor allem, dass er in diesen anderen Welten navigieren und operieren kann. Doch was sind diese andere Welten?
Die verschiedenen Welten der Schamanen
Um dies zu verstehen ist es notwendig zu akzeptieren, dass diese Erfahrungen, die Schamanen oder andere Grenzgänger machen, keine „ausgedachten“ Geschichten sind – also mentale Konstrukte (dazu kommen wir später noch), sondern eben handfeste Erfahrungen.
Die Erfahrungen eines echten Schamanen sind relativ bizarr und auch logisch nicht wirklich zu verstehen, was relativ interessant ist. Ich werde versuchen es mal aus meinem Blickwinkel zu beschreiben:
Als ich tiefer in den Schamanismus „eingetaucht“ bin, ist mir etwas aufgefallen – und zwar führten mich starke Extraktionsarbeiten (an mir selber) oft nicht nach innen, sondern irgendwann nach außen (lokal gesehen). Diese seltsame Verschränkung von innen/außen, ist auf Bewusstseinsebene ein sehr spannendes Feld der Selbstentdeckung, da es die Grenze zwischen innen/außen so wie Subjekt/Objekt eben verwischt. Es ist quasi gar nicht mehr so schnell klar, wo diese Grenze eigentlich verläuft, und zwar auf Erfahrungsebene, und nicht in der Gedankenwelt.
Warum ist das wichtig? Weil die Erfahrung viel stärker wirkt, als ein Gedanke. Man kann sich die Aufhebung von Subjekt/Objekt vielleicht gut vorstellen, diese aber wirklich zu erfahren, ist etwas komplett anderes.
Interessant wurde es, als dort weiter ging und feststellte, dass dieser „energetische Erfahrungsraum“ nach außen hin betrachtet (gestartet war ich wie gesagt nach innen) auf eine Barriere stieß. Und mit dieser Erfahrung der Barriere wurde auch etwas aktiviert, was ich heute als Wächter bezeichnen würde. Diese wurden aktiv und haben mich mit aller Macht „von außen“ wieder versucht nach innen zu schleudern, quasi.
Leider konnte ich nicht aufhören und musste im Verlauf der folgenden Jahre diese Wächter besiegen und diese Barriere durchbrechen. (Warum das so war, ist ein anderes Thema.)
Mit diesem Durchbrechen einer inneren -> äußeren Barriere fand ich mich auf einer anderen Seite wieder, die ich heute als Seelenwelt beschreibe.
Diese Seelenwelt ist eine zweite Welt, in der wir alle auch wohnen. Das operieren in dieser Welt ist Aufgabe der Schamanen.
Heute lebt es sich mit dieser Erfahrung immer noch ziemlich seltsam, da ich immer das Gefühl habe irgendwo innerlich „gespalten“ zu sein, sodass wir nie wirklich in einer Realität wohnen, sondern mindestens immer in zwei. Das kann zu Problemen führen und ist auch ein grundlegendes Thema der Dualität per se, und warum viele Menschen sich nicht „ganz“ fühlen. Auf tiefere Ebene ist das ein Thema dieser Welten an sich.
Der Schamanismus zeigt quasi schon auf tiefster Erfahrungsebene eine Dualität auf, die wir alle substantiell in uns tragen, wenn wir hier herumlaufen. Aber es geht noch weiter:
Weitere Dualitäten im Schamanismus
Die bekannteste Dualität ist der Seelenteilverlust. Dazu schreibe ich nur kurz: Seelen, also Energiekörper in der Seelenwelt können fragmentieren. D.h. sie verlieren in Ort / Zeit (meist auch an andere Wesen/Menschen) Teile ihrer Seelenkraft. Diese Verluste kann man energetisch als „Löcher“ wahrnehmen. In diesen Löchern manifestieren sich dann in der Regel Fremdenergien, was sich in der materiellen Welt als Toxine zeigt. Diese können körperlich oder mental sein. Will man den Zustand umkehren, muss man Entgiften (Extraktionsarbeit) und die Seelenkraft zurückholen (Seelenteilrückholung). Beide Methoden gehen Hand in Hand und sind quasi zwei Seiten einer (dualen) Medaille.
Die Alltagswelt/Seelenwelt als grober Rahmen, Seelenteilrückholung/Extraktionsarbeit als feiner Rahmen haben wir abgehakt, aber es gibt noch einen größeren Rahmen der Dualität, den man im Schamanismus begegnen kann:
Diesseits / Jenseits
Das Diesseits und das Jenseits sind nochmal verschieden von der materiellen Welt / Seelenwelt. Während die materielle Welt und die damit verbundene Seelenwelt das Diesseits verbinden, ist das Jenseits der Bereich, den wir betreten, wenn wir sterben. Dieser ist nochmal eine ganz andere Dimension. Das Jenseits ist für „normale“ Menschen nochmal weniger zu greifen, als die Seelenwelt. Während man mit der Seele ja irgendwie immer mal mehr oder weniger in Kontakt ist, sei es selbst über Träume, ist dies für das Jenseits nicht der Fall. Kontakte ins Jenseits haben wieder nur Grenzgänger, wie bspw. Schamanen. Das Jenseits wird in klassischen Mythen oder Geschichten gerne in einer Unterwelt dargestellt. Das macht auch im gewissen Sinne Sinn, kann aber gar nicht der Realität entsprechen, da es eigtl. kein Bereich der Seelenwelt ist. Irgendwo musste man es aber für die „normalen Menschen“ hinpacken, und so kam es halt nach unten, in die Erde, wo man auch Menschen begräbt.
In Wahrheit ist das Jenseits aber auf einer anderen Achse begründet, die ich auch gar nicht lokalisieren könnte, da es nicht wirklich an Raum/Zeit gebunden ist, oder wenn dann nur ein bisschen.
Das Jenseits ist heutzutage aber der Bereich, aus dem die meisten Probleme erwachsen, denn viele Energien / Menschen / Wesen sträuben sich dort hinzugehen nach ihrem Tode. Wo die Seelenarbeit und Extraktionsarbeit auf der Seelenebene stattfindet, ist die klassische Arbeit mit dem Jenseits und seinen Kräften der Psychopompos.
Dualitäten in den Weltreligionen
Der Schamanismus zeigt, wo oben beschrieben kleine bis sehr große Dualitäten auf. Wie ist das in den Weltreligionen?
Christentum
Das Christentum basiert letztendlich auf dem Mythos von Genesis. Die Menschen seien als Ebenbild Gottes (oder der Götter) entstanden. Dabei sieht man eine interessante Sache. Ebenbild Gottes meint das Non-Duale Bewusstsein. Dies sollte also am Anfang der Schöpfung von Adam und Eva vorherrschend gewesen sein. Erst später durch den „Sündenfall“ kam es zu der Dualität und seinen Auswirkungen des Lebens auf der Erde.
Was wir hier sehen, und was auch mit dem Begriff „Sünde“ stark aufgeladen ist: eine negative Bewertung der Dualität. Sie scheint ein „niederer“ Zustand (Erde) im Vergleich zu einem „höheren“ Zustand „Eden/Paradies) zu sein.
Dasselbe in Grün finden wir in Asien, und zwar im Buddhismus.
Buddhismus
Im Buddhismus wird der Non-Duale Zustand nicht „Paradies“, sondern „Nibbana/Nirwana“ genannt, wobei Buddha immer sehr bedacht darauf war nur zu nennen, was dieser Zustand nicht ist. Es gibt wenig Begriffe dafür, was dieser Zustand wirklich sei, z.B. ob es ein Ort ist oder eben nicht. Etc.
Nichts desto trotz wird die Duale Welt bzw. das Duale Bewusstsein als anhaftend, leidhaft und als „Samsara“ bezeichnet. Dieses gilt es zu überwinden durch Askese, Ethik & Meditation. Am Ende soll auch ein „Ende der Geburt“ (in dieser Welt?) stehen. Zumind. wird hier auch ein Weltengedanke berührt, auch wenn nie ausgeführt wird, worin das ganze wirklich münden soll.
Auch der Taoismus bemühte sich sehr um diese Ideen, wird aber hier ausgelassen, da er kulturell weltweit kaum mehr Bedeutung hat.
Atheismus
Interessanterweise hat der Atheismus auch einen gewissen Non-dualen Charakter, weil er keine Aufhebung einer Trennung zwischen göttliches Bewusstsein und menschliches Bewusstsein anstrebt, sondern das göttliche Bewusstsein einfach negiert. Damit rückt das menschliche Bewusstsein quasi als einziges ins Bewusstsein, was zwar nicht non-dual ist, eher gesprochen mono-dual. Die Idee ist, dass der Mensch quasi zu Gott wird, anstatt Gott zum Menschen.
Entstehende Probleme
Das Problem, was ich hier eigtl. skizzierend möchte ist folgendes: Diese unsere Realität ist auf vielen eben von einer tiefen Spaltung der Dualität durchzogen. Das Problem was ich sehe als Schamane, ist dass viele Menschen diese Dualität auf tiefster Ebene ablehnen.
Sowas kann man vielleicht mit einem Fisch im Aquarium vergleichen, der so eine Aversion gegen Wasser erzeugt, so das er allergisch wird auf Wasser.
Diese Aversion ist meines erachtes das Resultat dieser Weltreligionen. Und die Idee dieser Religionen, aufzuzeigen, dass es noch mehr gibt, als die Dualität, ist ja von unseren Vorfahren keine schlechte Idee gewesen.
Ja klar gibt es da mehr – aber das ist keine Einladung dazu die Realität, mit der man tagtäglich umgehen muss, abzulehnen. Weil diese Ablehnung führt zu massiver Verwirrung, wie man auch auf seelischer Ebene ein gesundes und glückliches Leben führen kann.
Man kann auch nicht durch irgendwelche Abkürzungen diese „Duale Lernschule“ abbrechen, denn das ist es, was diese Religionen lehren. Aus schamanischer Sicht ist das aber verkehrt. Man muss das duale immer mehr verstehen, und kann es dadurch überwinden. Das ist eine Sache der Übung und nicht des Glaubens oder des Wunsches. Auch nicht der Disziplin (auf dem Kissen oder so).
In der Hinsicht glaube ich, dass mittlerweile die Weltreligionen auf der ganzen Welt missverstanden werden. Die Weltflucht kann niemals das Ziel gewesen sein, weil sie letztendlich noch mehr in die Dualität führt.
Non-Dualität im Schamanismus
Das Interessante am Schamanismus ist, dass er die oben genannten Dualen Konzepte und Vorstellungen hat, daraus aber kein Problem macht. Du kannst erstmal so sein, wie du willst, bzw. wie du bist.
Du bist auch nicht verkehrt, sondern genau richtig.
Du bist nicht schwach und fehlerhaft, sondern potentiell sehr stark und mächtig. Und das alles trotz der Dualität. (Oder aber gerade deswegen?)
Ich kann deshalb allen spirituellen Menschen, die sich Schamanismus zuwenden wollen, alle Konzepte von Non-Dualität (als etwas besseres/höheres/erstrebenswertes etc.) und Erleuchtung komplett über Bord zu werfen und erstmal fast genüßlich in die Dualität einzusteigen.
Was bedeutet das?
Erstmal: das es keine Fehler gibt. Egal was du machst, hat nur eine Auswirkung auf Kraft, die kommt, oder Kraft die geht. Um diese Kraft muss man kämpfen – sie wird einem nicht geschenkt, und das kann Spaß machen. Das ist eine alltägliche Angelegenheit, die sich auf das ganze Leben in alle Bereiche erstreckt. Das hat schon einen non-dualen Charakter, der sich ja auch auf das ganze Leben erstrecken muss.
Da es keine grundsätzlichen Fehler gibt, sondern nur Lernerfahrungen (und zwar des Gewinnes an Kraft und des Verlierens an Kraft) ist es auch kein grundsätzliches Problem, wenn dieses Spiel unendlich weiter geht. Das Problem an der oben genannten Wasserallergie, ist, dass man sich sehnlichst das Ende des Aquariums wünscht, ohne wirklich zu wissen, ob dies überhaupt geht oder möglich ist. Es ist ja nicht umsonst ein Glauben daran.
Im Schamanismus glaubt man nicht, sondern macht eben nur Erfahrungen. Wie lange diese anhalten, spielt keine Rolle. Lange? Kurz? Wen interessiert das? Eigtl. nur denjenigen, der keinen Spaß daran hat an seinen Erfahrungen.
Und hier wird es interessant: Wenn man keinen Spaß an seinen Erfahrungen hat, ist das ein Zeichen von Kraftlosigkeit. Diese Kraftlosigkeit kann schon ein Zeichen dieser oben genannten Wasserallergie sein (=Weltreligionsglaubensätze). Wenn man das logisch durchdenkt, kann weder ein Kraftmangel noch ein Freudemangel Ausdruck eines göttlichen Bewusstseins sein, oder?
Vielleicht liegen die Weltreligionen auch irgendwo komplett daneben, wenn Leute krank, schwach & willenlos werden durch diese ganzen Non-Dualen Göttlichkeitskonzepte, während Leute, die das komplett ablehnen (wie Schamanen bspw.) eben genau das Gegenteil erfahren?
Was ist hier also wirklich non-dual oder göttlich?
Die technische Erklärung
Ich hab mir darüber natürlich viele Gedanken gemacht bisher, warum eine „duale“ Technik wie Schamanismus so verdammt gesund & glücklich macht, wie es ja die Weltreligionen eigentlich versprechen, aber überhaupt nicht einhalten.
Eine wichtige Erklärung liegt in der Energetik der schamanischen Behandlungen.
Und zwar wird vermutlich durch jede Seelenteilrückholung nicht nur etwas „zurückgeholt“ in einem dualen Verständnis heraus, sondern ein Teil dieser Auflösung der Dualität führt vermutlich zwangsläufig zur Erfahrung der Nondualität.
Das heißt: das ‚durchspielen‘ der Dualität führt zu Erleuchtung – nicht das Abbrechen wollen.
Wenn Sie an einer schamanischen Behandlung oder schamanischen Fernbehandlung interessiert sind, nehmen Sie einfach Kontakt mit mir auf!
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